Aufbau und Wirksamkeit von Stimmseminaren für Lehrer/innen

 

Lehrer/innen haben als Berufssprecher ein höheres Risiko, eine beeinträchtigende Stimmstörung zu entwickeln. Kurse zur Verhaltensprävention stellen die Stimmökonomie in den Vordergrund (z.B. Stimmtechnik in konkreten Sprechsituationen, Stimmhygiene, Früherkennung von Stimmstörungen, Stressabbau, Optimierung der Arbeitsorganisation, Umgang mit lauten Klassen reflektieren) und gelten für verschiedene Zielgruppen von Berufssprechern als effektiv, weil dies nachgewiesen wurde. Nunmehr gibt es auch Stimmseminare, die verhältnispräventive Maßnahmen (z.B. Akustische Raumsanierung/Veränderung der Raumakustik, Lärmreduktion, Schaffung eines guten Raumklimas bezüglich der Luftfeuchte, Ruheräume, Stimmverstärkende Technikausstattung) mit einschließen. Stimmunterstützende Maßnahmen wie der Gebrauch von Sound-Fieldanlagen/Frequenzmodulationsanlagen wurden untersucht und sorgen bei stimmgestörten Lehrkräften für Entlastung und bewirken bei Schülern eine Verbesserung des Zuhörens und der Aufmerksamkeit, aber die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen (z.B. Lärm, Akustik, Klima) auf die Stimmgesundheit und das stimmliche Verhalten von Lehrer/innen wurden bisher kaum betrachtet. Erste Studien bestätigen aber, dass es zwischen der Lautheit sowie Klassenstärke am Arbeitsplatz und dem subjektiven Stimmbelastungsempfinden einen Zusammenhang gibt. Von der Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz des Kultusministeriums wurde 2014 in Niedersachsen ein Projekt zur Prävention von Stimmstörungen bei Lehrkräften ins Leben gerufen. Dieses Projekt beinhaltete die Konzeptentwicklung von Stimmseminaren, denn aufgrund einer hohen Sprechbelastung (Sprechen gegen Lärm in einer oft unzureichenden Raumakustik, Rufen und Singen) müssen Stimmseminare aus mindestens 3 Bausteinen bestehen:

1. Berufsalltag - Vermittlung einer ökonomischen Stimmtechnik: Der situationsspezifische Ansatz vermittelt Lehrkräften konkrete Bewältigungsstrategien für belastende Sprechsituationen im Schulalltag und ermöglicht ihnen, diese Bewältigungsstrategien auch individuell zu erproben.

2. Einzel-Coaching für jede Lehrkraft: Durchführung einer Individuellen Stimmanalyse in einer konkreten Sprechsituation, aus der sich leichter Verbesserungsstrategien ableiten lassen, welche danach praktisch erprobt werden können. Problemlösestrategien aus Bereichen der Stimm- und Atemtechnik, der Stressbewältigung oder der Optimierung der räumlichen Verhältnisse werden ebenfalls eingesetzt.

3. Informationen zum Umgang mit Lärm: Lärm (externer Risikofaktor für die Entstehung einer Stimmstörung) ist eine Kombination aus störenden Hintergrundgeräuschen und einer schlechten räumlichen Akustik. Teilnehmer erhalten Informationen über Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik und über pädagogische Hilfen zur Lärmvermeidung.

 

Praktische Anwendung im beruflichen Alltag

Drei Monate nach dem Seminar gelang es 93% der Lehrer/innen Inhalte der Stimmseminare (z.B. selteneres Räuspern, angemessene Lautstärke, Beibehaltung der individuellen Sprechstimmlage, Veränderung des Sprechtempos, Sprechpausen einlegen und Druckreduktion beim Sprechen) im Berufsalltag gut umzusetzen. 72, 2 % der Befragten berichteten von einer Verbesserung der Belastbarkeit ihrer Stimme, 66% von geringeren Missempfindungen, über 80 % der Befragten gaben an, sich seltener zu räuspern und bei einer angegriffenen Stimme viel besser reagieren zu können. Deutlich über die Hälfte der Befragten berichteten also von einem insgesamt klareren, kraftvolleren Stimmklang.

 

(Birte Meier, Dr. Ulla Beushausen, S.12-16 im Forum Logopädie vom November 2018)

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