Der FOCUS©-G zur Erfassung der sprachlichen Aktivität und kommunikativen Teilhabe von Vorschulkindern

 

Eine uneingeschränkte Kommunikation und Interaktion sind wichtige Voraussetzungen, um am sozialen Leben teilzuhaben. Manchmal stoßen Kinder mit Sprach- oder Sprechstörungen (eingeschränkte Verständlichkeit) bei Gleichaltrigen auf fehlende Akzeptanz, so dass es zu einem sozialen Rückzug kommen kann. Oft besteht ein Ungleichgewicht zwischen Leistungsfähigkeit und Leistung. Auch bei eigentlich guten kommunikativen Fähigkeiten kann es sein, dass sich z.B. ein Kind mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildung als „andersartig“ empfindet und somit das Sprechen bewusst vermeiden möchte. Ein eingeschränkter Bildungsverlauf und die Entwicklung psychosozialer Auffälligkeiten können die Folgen sein. Die entsprechende Diagnostik macht das Ausmaß sprachlich-kommunikativer Aktivität und Teilhabe messbar, so dass eine früh beginnende Sprachtherapie diese Risiken vermindern oder ihnen vorbeugend entgegenwirken kann. Thomas-Stonell und Kollegen (2012) entwickelten somit den Focus on the Outcomes of Communication Under Six (FOCUS©-G). Der FOCUS©-G ist ein Fragebogen, der für Eltern wie Sprachtherapeuten (in einer Eltern- oder Therapeuten-Version) leicht durchführbar und auszuwerten ist.Er erfasst die sprachliche Aktivität und kommunikative Teilhabe von Kindern mit unterschiedlichen sprachlichen Auffälligkeiten im Alter von 1;6 – 5;11 Jahren. Des Weiteren können durch den FOCUS©-G Veränderungen in der alltäglichen Kommunikation (Erfassung des Erfolgs der Sprachtherapie) abgefragt und dokumentiert werden (auch als Verlaufs-Diagnostik geeignet).

Im ersten Teil werden das sprachliche Verhalten des Kindes und seine Teilhabe in verschiedenen Kommunikationssituationen beurteilt:

1. Meinem Kind fällt es leicht Freunde zu finden.

2. Mein Kind wird von anderen Kindern in ihre Spielaktivitäten einbezogen.

3. Mein Kind fühlt sich während der Kommunikation wohl.

4. Mein Kind kommuniziert selbstsicher mit Erwachsenen, die mein Kind gut kennen.

5. Mein Kind wechselt sich mit Sprechen und Zuhören ab.

6. Mein Kind spricht während es spielt.

7. Mein Kind zeigt Bereitschaft mit anderen zu sprechen.

usw.


Die Skala reicht von „überhaupt nicht wie mein Kind“ bis „exakt wie mein Kind“.

Im zweiten Teil kann man mithilfe von 16 Aussagen einschätzen, ob und wie viel Hilfe das Kind bei seiner sprachlichen Aktivität und Teilhabe braucht (Skala von „kann es überhaupt nicht“ bis „kann es immer ohne Hilfe“). Der FOCUS©-G soll es dem Therapeuten erleichtern, für jeden Patienten individuelle Therapieziele im Bereich der sprachlichen Aktivität und kommunikativen Teilhabe herausarbeiten und zu verfolgen.

 

Link zum Fragebogen: www.canchild.ca

(Quelle: Sandra Salm, Dr. Sandra Neumann, Bernadette Robertson, Prof. Nancy Thomas-Stonell, S. 14-18 im Forum Logopädie, Januar 2018)

 

 

 

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