Aphasieformen- Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei Aphasien handelt es sich um erworbene, zentrale Sprachstörungen, die Folge einer Hirnschädigung sind. Die Ursachen können ein Schädel-Hirn-Trauma, ein Gehirntumor oder ein Schlaganfall sein. Ein Schlaganfall kann entstehen, wenn es bei den Hirngefäßen zu einem Verschluss oder einer Blutung kommt (gefäßbedingte Aphasie). Die Symptome können sich sowohl in einem gestörten Wortabruf, im Sprechen und Verstehen als auch im Lesen und Schreiben zeigen. Auch Begleitstörungen wie Sprech-, Rechen-, Aufmerksamkeits- oder (Arbeits-) Gedächtnisstörungen können hinzukommen. Bei neuro-degenerativen Erkrankungen kann es zu einer langsam fortschreitenden Verschlechterung der Sprache, Kognition (Denk- und Wahrnehmungsprozesse sowie deren Ergebnisse) und Moto-Sensorik (Bewegegungsreaktionen des Körpers auf Sinnesreize übers fühlen, sehen, hören...) sowie zu Veränderungen der Persönlichkeit kommen. Zu den drei Unterformen der Primär Progredienten Aphasien (Demenzform, bei der Wortfindungsstörungen zu den ersten Symptomen gehören. Der Patient redet zunehmend weniger und langsamer. Es treten Schwierigkeiten im Satzbau, bei der Auswahl und Artikulation von Wörtern sowie im Lesen und Schreiben auf.), zählt die Semantische Demenz: Wortfindungsstörungen und Sprachverständnisprobleme gibt es schon bei einzelnen Wörtern aufgrund eines zunehmenden Verlusts der Vorstellung davon, was die Wörter oder Gegenstände bedeuten. Die Satzstruktur ist zwar korrekt und flüssig, aber das Gesagte inhaltsleer, da die Gedankenübermittlung schwer fällt. Auch bei der Alzheimer-Demenz sind oft im Frühstadium Wortabrufstörungen feststellbar. Liegen sprachliche Beeinträchtigungen vor, so werden sie in der Regel von Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsdefiziten begleitet. Sowohl nach einem Schlaganfall als auch bei den unterschiedlichen Demenzformen können Wortabrufstörungen auftreten, die sich in der Aufgabe (Bilder benennen) bemerkbar machen. Es hat sich herausgestellt, dass eine störungsspezifische logopädische Therapie (Mithilfe eines Modells der Wortverarbeitung wird die Störung bestimmt und die Behandlung somit auf die gestörte Komponente ausgerichtet.) für Patienten mit Primär Progredienten Aphasien genauso wirksam sein kann wie für Schlaganfall-Patienten. Weitere Studien sollten den Fragen nachgehen, inwieweit Sprachstörungen bei Alzheimer-Demenz mit jenen nach Schlaganfall oder bei Primär Progredienten Aphasien vergleichbar sind und in welchem Ausmaß eine störungsspezifische Behandlung auch bei Alzheimer-Demenz effektiv sein kann. An den Studien, welche die störungsspezifische Therapieeffektivität untersuchen sollten, nahmen insgesamt 5 Aphasie-Patienten mit lexikalisch-semantischen Störungen teil. 3 von ihnen waren Schlaganfall-Patienten mit einer Benennstörung (fehlender Zugriff auf passende Wörter), 1 weiterer Patient hatte eine semantische Demenz und zeigte ebenfalls eine Benennstörung. Die semantische Störung, die zuerst auf das Lexikon begrenzt war, weitete sich im späteren Verlauf auch auf das nichtsprachliche semantische Wissen über die Welt aus (man unterscheidet zwischen individuellem Wissen: „Tom ist umgezogen!“ und generellem Allgemeinwissen: „Menschen sind verletzlich!“). Auch eine Einschränkung der Lernfähigkeit für visuelles und verbales Material wurde festgestellt. Bei 1 weiteren Patienten mit Alzheimer-Demenz wurde eine starke Benenn- und Sprachverständnisstörung diagnostiziert. Hinzu kamen Störungen in Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Alle drei Studien beinhalteten Vor- und Nachtests zum Benennen von Bildern, eine Phase der Auswahl geeigneter Bilder-Sets sowie eine Therapiephase. Konnte eine Schlaganfall-Patient oder ein Patient mit semantischer Demenz in der Therapie ein Bild nicht benennen, wurden semantische (Beschreibungen) oder phonologische (Klopfen der Silbenzahl) Hilfen gegeben. Beim Patienten mit Alzheimer-Demenz fand ein supervidiertes und computergestütztes Heimtraining statt. Die Hilfen beim Benennen wurden vom Computer gemischt angeboten. Das Benennen wurde auch durch eine Sprachverständnisaufgabe ergänzt. Nach der Wortfindungstherapie zeigten sich in den Studienergebnissen für alle Patienten enorme Verbesserungen (Trainingseffekte) für trainierte Wörter. Die lexikalisch-semantische Störung verbesserte sich also vorübergehend. Bei den Patienten mit Alzheimerdemenz und semantischer Demenz haben sich semantische Methoden und Hilfestellungen als besonders effektiv erwiesen. Die störungsspezifische logopädische Therapie eignet sich also nicht nur für Schlaganfall-Patienten mit einer Aphasie oder Patienten mit Primär Progredienten Aphasien, sondern ist auch für die Behandlung von Alzheimer-Demenz-Patienten sehr zu empfehlen.

 

(Quelle: Dr. Stefanie Abel aus Forum Logopädie Heft 5, Sept. 2013)

 

 

 

 

 

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